Die Situation an anderen Orten
Ehemalige Synagogen, die als Kirche genutzt werden
Es gibt in Deutschland neben Flieden noch vier weitere ehemalige Synagogen, die während der Reichspogromnacht geschändet wurden und nun als evangelische Kirchen genutzt werden. Jeder dieser Orte sucht seinen eigenen Umgang mit dieser Historie.
In Rexingen (Ortsteil von Horb bei Freudenstadt) ist der Verein „Ehemalige Synagoge Rexingen“ Besitzer und Verwalter des Gebäudes, hat es als Lernort eingerichtet und stellt es der Evangelischen Kirchengemeinde für ihre Gottesdienste zur Verfügung. (https://www.ehemalige-synagoge-rexingen.de/).
Auch in Stockerau in Niederösterreich wurde bei der Renovierung in den 1950er Jahren das Jüdische Erbe des Hauses überdeckt. Die 2020 neu gestalteten Prinzipalstücke (Altar, Kanzel, Taufbecken) erinnern nun an das jüdische Erbe. (Fernsehbericht über die ehem. Synagoge Stockerau)

Altar in Stockerau, bestehend aus zwei ineinander verschränkten Davidsternen

Fenster der Ostwand in Höchberg
In Höchberg bei Würzburg erinnert schon seit 1979 eine Menorah an das jüdische Erbe des Hauses. Ein Fenster mit hebräischem Text ist nun an der Stelle des Thoraschreins. (Link zum Jubiläumsjahr 300 Jahre Jüdisches Leben in Höchberg)
Auch die Kirche in Mogendorf im Westerwald hat versucht, mit ihrer alten bedrückenden Geschichte Neues zu gestalten, auch angeregt durch unser Projekt und den Bericht im ZDF. Vertreter der Kirchengemeinde Mogendorf besuchten uns im Frühjahr 2016. Am 16. September 2018 sind deren neugestaltete Kirchenfenster in der renovierten Kirche eingeweiht worden.
Fenster von 2018 in Mogendorf
In der Nachbarschaft: Die Landsynagoge Heubach
Nicht weit von Flieden entfernt gibt es eine weitere ehemalige Synagoge, die heute als Gedenkort dient: In Heubach, etwa 15km südöstlich von Flieden. Dort musste die jüdische Gemeinde schon 1937 ihre 1843 gebaute Synagoge aufgeben, die Gemeinde war zu klein geworden. Aus der Synagoge wurde das Rathaus. Seit den 1970ern stand das Gebäude leer und verfiel. Ab 2003 wurde das Gebäude umfassend saniert. Dort konnten viel mehr Spuren des jüdischen Lebens freigelegt werden: originale Wandbemalungen beispielsweise und sogar die Mique. Seit 2007 dient die Landsynagoge als kulturelle Begegnungsstätte mit einem vielfältigem Programm.

