Kommentare zum Antisemitismus 1
„Zu dieser Pandemie gehört auch: Schlimmste antisemitische Verschwörungsmythen haben neuen Aufwind erfahren. Es schmerzt mich und macht mich zornig, dass antisemitischer Hass und judenfeindliche Hetze sich so offen zeigen – ausgerechnet in Deutschland. Ich wünschte sehr, ich könnte Ihnen sagen, der Anschlag von Halle hätte zu einer Wende geführt.
Aber die Realität ist: Jüdinnen und Juden in Deutschland werden weiterhin verhöhnt, herabgewürdigt, gewaltsam angegriffen. Das ist unerträglich und es ist die Pflicht von Staat und Gesellschaft, diesem Hass entgegenzutreten. Denn jeder Mensch, der in diesem Land zu Hause ist, hat alles Recht der Welt, sich hier sicher, geschützt und aufgehoben zu fühlen!“
[Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum jüdischen Neujahrsfest Rosch ha-Schana am 7. September 2021. Foto: Festakt zur Eröffnung des Festjahres im Februar 2021, ©Melanie-Grande]
“It is our hope that the congregants of this church will continue to honor the synagogue it once was, confronting antisemitism and embracing tolerance and inclusion.”
Übersetzung: "Wir hoffen, dass die Gemeindemitglieder dieser Kirche, die Synagoge, die sie einst war, weiterhin in Ehren halten, indem sie dem Antisemitismus entgegen treten und sich für Toleranz und Integration einsetzen."
[Adele und Roy Igersheim, Schirmherren (USA) der Jüdischen Kulturtage im Taubertal / Deutschland, Sept 2021.]

Eigentlich fällt es mir leichter über dieses Thema mit einem Gegenüber zu sprechen als zu schreiben, gerade weil das Thema Antisemitismus so komplex und beladen ist. Ich sehe dieses Thema als eines der mehreren fremdenfeindlichen Komplexe unserer Gegenwart. Das macht es weder besser, noch leichter zu verstehen. Ich denke, vieles hängt mit Unkenntnis, nicht vorhandener Bildung (menschlich wie Sachverstand) und mangelnder Begegnung sowie Dialogfähigkeit zusammen.
Beide Seiten müssen sich mit den Problemen beschäftigen: die, die abgelehnt werden und die die aktiv ablehnen.
Kurzgefasst: Es ist ein langes und schon über zwei Jahrtausende altes Problem. Ob wir das in unserem kurzen Leben lösen können? Das wäre schön und wünschenswert, ein Traum, für eine bessere und friedlichere Welt. Für diesen Traum muss man muss die Dinge in Bewegung bringen
Antisemitismus muss zum Thema in allen Bildungsinstitutionen werden. Das ist das eine. Das ist die vorbeugende Maßnahme, versuchen, es wirklich zu erklären, was das bedeutet, Antisemitismus. Und auf der anderen Seite die Gesetze, die bereits existieren, müssen deutlich verschärft werden.
Antisemitismus ist am stärksten bei jenen vertreten, die ihr Wissen fast nur noch aus dem Internet nähren. Es ist ein Symptom für andere gesellschaftliche Missstände, was sich heimtückisch anpasst wie ein Chamäleon.
Dieser neue Antisemitismus ist ein Symptom für etwas, dass wir noch gar nicht genauer begreifen können.
[Barbara M. Rubert M.A., 15. September 2021]
"For me antisemitism is tied to every form of discrimination and oppression. Whenever a group is portrayed as “the other” and that portrayed is used as an excuse to deny people's basic rights and equal treatment, we must all speak up and act out. Loudly.”
Übersetzung: "Jegliche Form von Diskriminierung und Unterdrückung ist für mich mit Antisemitismus verbunden. Wann immer eine Gruppe als "die andere" dargestellt wird und diese Darstellung als Vorwand benutzt wird, um Menschen ihrer Grundrechte und Gleichbehandlung zu verweigern, müssen wir alle unsere Stimme erheben und aktiv werden und zwar lautstark."
[Miriam Marie Ariel 19.8.2021, Boston]
When I was 12 years-old, I invited my best friend, Armin Loeb, to the Christmas Eve service . At home after church, my mother asked me, “Do you think Armin saw the Light?” I quietly answered, No. In my head and heart I was jolted because somehow I knew that, however well-intended, that was an insidious question. And, as an adult, I have worked to counter Supersessionism which I feel is antisemitism. I recognize that in recent years many Christian institutions have repudiated this doctrine.
(Supersessionism is a Christian doctrine which asserts that the New Covenant through Jesus Christ supersedes the Old Covenant which was made exclusively with the Jewish people)
Übersetzung: Als ich 12 Jahre alt war, hatte ich meinen besten Freund, Armin Loeb, zum Heiligabend Gottesdienst eingeladen. Nachdem ich nach dem Gottesdienst zu Hause ankam, fragte mich meine Mutter: "Glaubst Du, Armin hat das Licht gesehen?" Ich antwortete leise: Nein. In meinem Kopf und in meinem Herzen ging es drunter und drüber, denn irgendwie wusste ich, dass diese Frage, so gut gemeint sie auch sein mag, heimtückisch war. Als Erwachsener habe ich mich gegen eine Substitutionstheologie eingesetzt, den ich als Antisemitismus empfinde. Ich weiß, dass in den letzten Jahren viele christliche Institutionen diese Lehre abgelehnt haben.
(Erklärung: Substitutionstheologie ist eine christliche Lehre, die behauptet, dass der Neue Bund durch Jesus Christus den Alten Bund, der ausschließlich mit dem jüdischen Volk geschlossen wurde, ablöst.)
[Pastor Richard E. Olson, Boston, 21.8.2021]
