Jüdisch das Jahr feiern
Sabbat/Schabbat
Der höchste wöchentliche Feiertag ist der Sabbat. Es ist der siebte Tag der jüdischen Woche. Er beginnt nach Sonnenuntergang am Freitagabend und endet am Samstagabend, wenn drei nahe Sterne am Himmel sichtbar sind,
Nach sechs Tagen Schöpfung hat Gott eine Ruhepause eingelegt hat, so steht es im ersten Buch Mose (Genesis). Nach vollendetem Werk hat Gott sich am siebten Tag ausgeruht. An diesem Tag sind viele Tätigkeiten verboten.
Fromme Juden dürfen am Samstag nicht arbeiten. In orthodoxen jüdischen Haushalten wird für den Freitag vorgekocht. Auch Kochen ist Arbeit, deshalb dürfen die Gläubigen am Sabbat und an den religiösen Feiertagen weder kochen noch das Licht anschalten, keine elektrischen Geräte (auch keine Smartphones, Tablets etc) benutzen und nicht Auto fahren oder sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegen.
Rosch ha Schana
Das jüdische Neujahr (hebräisch: Kopf des Jahres) beginnt am 1. und 2. Tischri (Mitte bis Ende September).
Dieser Feiertag ist der Auftakt zu einer 10 tägigen Periode, die bis Yom Kippur andauert. An diesem Tag reflektiert der Mensch alljährlich sein Leben und Handeln.
Nach dem jüdischen Kalender beginnt demnach im September 2021 das Jahr 5781. Das jüdische Neujahr ist eher ein stilles Fest, an dem die Gläubigen beten. Morgens wird das Widderhorn ( das Schofar) geblasen, ein Mahn- und Weckruf des Gewissens. Man begrüßt das neue Jahr süß – man tunkt Apfelstückchen in Honig und spricht: „Möge dieses Jahr so süß sein, wie der in Honig getauchte Apfel.“ Man wünscht allen :„Shana tova umetuka! “ (Ein gutes und süßes neues Jahr!)
Yom Kippur
Nach den darauf folgenden zehn Tagen der Buße, Reflexion und inneren Einkehr, feiern die Juden ihren höchsten und bekanntesten Feiertag - Yom Kippur (10. Tischri), den Tag der Versöhnung mit Gott und den Mitmenschen. Es ist ein geistiges und seelisches Ereignis. Der Mensch ist nicht mehr in seiner Vergangenheit gefangen. Jüdische Gläubige fasten an diesem Tag und beten um Verzeihung für ihre Fehltritte.
Sukkot
Bezeichnet das „Laubhüttenfest“ - das Wort „Sukka“ kommt aus dem Hebräischen und umschreibt einen Schutzraum oder ein Provisorium. Es erinnert an ein prekäres Wohnen und Leben. Viele jüdische Familien errichten an diesen Tagen eine symbolische Hütte auf den Balkon, in Synagogen findet man so ein improvisiertes Bauwerk im Innenhof.
Das Fest beginnt am 15. des Monats Tischri, vier Tage nach Yom Kippur und dauert acht Tage. Zum einen ist Sukkot ein Erntedankfest nach der Wein – und Obsternte, zum anderen erinnert das Fest auch an die Wanderschaft der Israeliten nach ihrer Flucht aus Ägypten und generell an die Unbeständigkeit des Lebens.
Chanukka
Mit dem achttägigen Lichterfest Chanukka ( Mitte-Ende Dezember / um die Weihnachtszeit) wird an die Makkabäer erinnert, die erfolgreich die griechisch-syrischen Besatzer aus Judäa vertrieben. Nach einer Legende reichte das Öl für das Licht der Menora im Tempel nur noch für einen Tag. Nun geschah ein Wunder: Das Licht leuchtete acht Tage, mit einer Ölmenge, die normalerweise nur für 24 Stunden reichte. Daran erinnern die acht Arme des Chanukka Leuchters.
Jeden Tag wird beim Entzünden der Kerzen in der Winterzeit an das Tempel Wunder gedacht bis am achten Festtag alle Lichter brennen. Chanukka ist ein fröhliches Familienfest. Die Familien versammeln sich um den Leuchter und singen nach dem Anzünden der Kerzen Chanukka Lieder. Die Kinder bekommen Geschenke und spielen mit den traditionellen Chanukka Kreiseln (Treidel) und erhalten „Chanukka -Gelt“. Gerne verspeist man an diesen Tagen Krapfen und Reibekuchen (Latkes)
Purim
An diesem Gedenktag wird fröhlich gefeiert. Purim ist der jüdische Karneval.
Fast zeitgleich zur christlichen Karnevalszeit wird am am 14./15. Adar (März) Purim zelebriert. Im Buch Esther wird beschreiben wie der persische intrigante Minister Haman seinen König dazu anstiften will, alle persischen Juden zu ermorden. Die kluge Esther und ihr Onkel Mordechai decken den Komplott auf.
Nachdem sich Esther beim König für die Juden eingesetzt hatte, werden Haman und seine Kumpane hingerichtet. Im Gedenken daran lesen die Gläubigen zu Purim aus dem Buch Esther. Wenn das Wort Haman gelesen wird, machen vor allem die Kinder Lärm mit Rasseln und Ratschen, um den Namen des Bösen zu übertönen. Viele kommen in Maskerade verkleidet zum Gottesdienst, ähnlich wie beim Fasching.
Ein leckeres dreieckiges Gebäck wird zu Purim verköstigt, die sogenannten „Haman Taschen“, es ist ein Gebäck gefüllt mit Nüssen, Rosinen , Mohn , oft inspiriert von alten Familienrezepten.
Pessach
Dieses Fest ist ein Frühjahrsfest und findet etwa zeitgleich mit dem christlichen Osterfest statt. An diesen Tagen erinnert sich das Judentum an den Auszug aus Ägypten und das Ende der Sklaverei. Pessach / Passah / Pascha bedeutet „Überschreitung“ und zählt zu den wichtigsten jüdischen Familienfesten.
Das Buch Exodus der Bibel erläutert die genauen Anweisungen für das Pessach-Fest: Für die Gläubigen ist es verboten während dieser Zeit Sauerteig haltige Nahrungsmittel zu essen.
Vor dem Fest wird alles aus dem Haus entfernt, was Sauerteig enthält oder mit Gesäuertem in Berührung gekommen ist. An diesen Tagen werden die Häuser und Wohnungen vor Pessach penibel gereinigt. Bedingt durch den überstürzten Aufbruch der Israeliten aus Ägypten blieb keine Zeit mehr, den Teig für ihre Brote gären zu lassen. Stattdessen gab es nur aus Mehl und Wasser hergestellte trockene Mazzen ( ähnlich dem Knäckebrot).
Die gläubigen Familien und Gemeinden eröffnen das Pessachfest am Seder-Abend, dem Vorabend des Festes mit der Lektüre der Haggada, der Geschichte vom Auszug der Juden aus Ägypten. Dazu werden die symbolischen Pessach Speisen gereicht: Mazzen, Eier, Petersilie und Wein, die auf einem Seder Teller platziert werden.
Schawuot
Sieben Wochen nach Pessach feiern die Juden das Fest Schawuot. Es hat einen landwirtschaftlichen sowie historischen Hintergrund. Es ist ein Erntefest und zugleich hat Moses die zehn Gebote auf dem Berg Sinai erhalten. An diesem Tag werden in Synagogen oft Tora Lesenächte organisiert. Nach christlicher Überlieferung haben die Jünger Jesu am Tag des jüdischen Schawuot-Festes den Heiligen Geist empfangen. Daran erinnert das christliche Pfingstfest (griechisch: Pentekosta).
Das jüdische Jahr
Grundlage des jüdischen Kalenders ist das sogenannte Lunisolarjahr, d.h. ein kombiniertes Sonnen – und Mondjahr. Die Monate werden nach dem Mond berechnet, das Jahr dagegen folgt einem Sonnenrhythmus.
So heißen die Monate des jüdischen Kalenders
Tischri (September – Oktober) 30 Tage
Heshvan (Oktober – November) 29 bzw. 30 Tage
Kislew (November – Dezember) 30 bzw. 29 Tage
Tewet (Dezember – Januar ) 29 Tage
Schwat (Januar – Februar) 30 Tage
Adar (Februar – März) 29 Tage
Nissan (März – April) 30 Tage
Ijjar (April – Mai) 29 Tage
Siwan (Mai – Juni) 30 Tage
Tammus (Juni – Juli) 29 Tage
Aw (Juli – August) 30 Tage
Elul (August – September) 29 Tage
Das jüdische Jahr beginnt bereits im Herbst ( Rosch Haschana ). Es ist dem christlichen 3760 Jahre voraus. So wären wir in diesem Jahr im jüdischen Jahr 5781, man addiert 2021 + 3760.
Der Tag des jüdischen Kalenders beginnt am Abend nach Sonnenuntergang und endet am nächsten Tag zum gleichen Zeitpunkt. Der Sabbat fängt am Freitagabend bei Anbruch der Dunkelheit an und endet am Samstagabend bei Einbruch der Nacht. So verhält es sich auch an allen anderen Feiertagen.
Der erste Wochentag ist der Sonntag, der siebte der Sabbat (Freitag).
Text: Barbara M. Rubert M.A. Bilder: E.g., Kindergartenleiterin mit ihren Kindern.
Jahresrad
Marie_s cousin Arnold zu Chanukka