Familie Salomo Katzmann
Eine Familie, die Flieden geprägt hat
Wie sehr die jüdischen Mitbürger das Gemeinwesen mitgestaltet haben, sieht man am Beispiel von Salomon Katzmann.
Seine Familie ist seit 1782 in Flieden nachgewiesen. Salomon selbst wurde am 21.1.1855 in Flieden geboren. Er war in den kommunalen Gremien engagiert und in der „Israelitischen Kultusgemeinde Flieden“. Sein nachhaltigstes Wirken war aber die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Flieden.
Sein Hof stand in der Mitte des Dorfes, dort, wo heute der Dorfplatz / Schulhof ist. Die Älteren nennen diesen Platz immer noch „Salme“ (nach Salomon).
Nachdem es in einem Nachbargehöft gebrannt hatte und es keinen organisierten Feuerwehreinsatz gab, regte er 1894 die Gründung eines Feuerwehr – Vereines an, der Ausrüstung bekommt und die Abläufe beim Löschen einübt. Viele Jahre war er selbst der erste Vorsitzende.
Salomon Katzmann starb am 5.8.1926, musste also die Schrecken des Dritten reiches nicht mehr miterleben.
Traueranzeige von Salomon Katzmann aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. August 1926: "Flieden, 11. August (1926). Schon wieder riss der Tod eine schmerzliche Lücke in unsere kleine Gemeinde. Unser langjähriger früherer Synagogen-Ältester Salomon Katzmann ist nach kurzem Krankenlager zu einem besseren Leben heimgegangen. Die Trauerkunde von dem unerwartet schnellen Ableben des vor wenigen Wochen noch so rüstigen greises hatte unter der jüdischen und auch christlichen Bevölkerung, bei der der Verblichene in großem Ansehen stand, eine so rege Anteilnahme hervorgerufen, wie wohl kaum ein Trauerfall vorher. Als Beweis, welch große Hochschätzung sich der Entschlafene erfreue, dient die Tatsache, dass er zu gleicher Zeit vier zeitraubende Ehrenämter bekleiden durfte. Er war 20 Jahre Synagogenältester, saß ebenso lang im Gemeindekollegium, war 25 Jahre lang Hauptmann und bis zu seinem Lebensende Ehrepräsident der Freiwilligen Feuerwehr und Vormund über 5 Waisenkinder. Am Grabe wies Lehrer Freudenberger auf diesen Umstand hin und nahm im Namen der Gemeinde Abschied von dem früheren Führer. In rührenden Abschiedsworten entbot der Oberbrandmeister Ebet aus Neuhof dem treuen Kameraden im Namen der in corpore erschienen Freiwilligen Feuerwehr den letzten Abschiedsgruß. Wir werden dem Verstorbenen allezeit ein ehrendes und treues Andenken bewahren. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."
Salomons Sohn Daniel David Katzmann wurde 1895 in Flieden geboren. Er ging als Lehrer nach Leipzig. Am 29.1.1943 wurde er in Auschwitz ermordet.
„David Katzmann verließ 1912 Flieden und besuchte das Gymnasium und ein jüdisches Lehrerseminar in Preußen. Als Frontsoldat im ersten Weltkrieg eingezogen , erhielt er das eiserne Kreuz. […]1934 meldete sich K. polizeilich mit seiner Familie in Leipzig an. Als Volksschullehrer unterrichtete er an der Jüdischen Volksschule und ab 12.10.1936 als Turnlehrer an der Jüdischen Real-/Oberschule.
In der Pogromnacht wurde er verhaftet und ins KZ Buchenwald verschleppt. Als Träger des Eisernen Kreuzes kam K. als einer der Ersten am 1.12.1938 frei. Intensiv strebte er die Auswanderung an. Aktenkundig ist, dass er sich im Dezember 1938 und im August 1939 erfolglos um eine Auswanderung nach Australien bemühte, wo eine seiner Schwestern seit 1930 und ein Bruder seit 1939 lebten. […]
Der Israelische Schulverein Leipzig e.V. ernannte K. im September 1939 zum Hauptlehrer und Schulleiter der jüdischen Volksschule. Das Amt übte er […] bis zu deren Schließung 1942 aus. […] Als „Arbeiter“ wurde K. mit seiner Frau Hilde und der 1933 in Annaberg geborenen Tochter Inge am 19.9.1942 [….] nach Theresienstadt deportiert. Von dort wurde die Familie am 29.1.1943 ins KZ Auschwitz verschleppt, seitdem ist sie verschollen.
Barbara Kowalzik Lehrerbuch Die Lehrer und Lehrerinnen des Leipziger jüdischen Schulwerks





