Glossar
A
Aschkenasim / Aschkenas
Bezeichnung für die aus Deutschland und Frankreich, später auch aus Osteuropa kommenden Juden und ihre Nachkommen. Aschkenasim ist die mittelalterliche Bezeichnung für Deutschland.
B
Bar Mizwa (Jungen)/ Bat Mizwa (Mädchen)
Zu Deutsch: "gebotsmündig". Ein Fest, bei dem die Juden die religiöse Mündigkeit eines Jungen nach dem 13. Geburtstag feiern. Bei Mädchen (12. Lebensjahr) heißt das Fest Bat Mizwa. Es ist die Feier der religiösen Volljährigkeit. Von nun an muss sich der junge Sprössling an der Gebotekultur der jüdischen Familie beteiligen und einhalten.
Brit Mila
Die Beschneidung des männlichen Juden, diese wird am achten Tag nach der Geburt vollzogen. Bei dieser Zeremonie tritt der Knabe in die Gemeinschaft Israels ein. Der Mohel ist ein Fachmann (jahrelange Ausbildung), der die Beschneidung durchführt. Heute wird dies meistens im Krankenhaus vollzogen. „Alles was männlich ist unter euch, soll beschnitten werden“, sprach Gott zu Abraham (Genesis 17, 10-12)
C
Chanukka
Jüdisches Lichterfest, das an die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem durch die Makkabäer erinnert. Chanukka dauert acht Tage und beginnt gemäß dem jüdischen Kalender am Abend vor dem 25. Tag des Monats Kislew (also im November oder Dezember). Nach der Zerstörung des Tempels brannten die Öllämpchen auf wundersame Weise acht Tage lang. Es ist Brauch an diesen Tagen ölreiches Essen wie Reibekuchen (Latkes) und Krapfen (Berliner) zu verspeisen. Die Kinder lassen den „Dreidel“ kreisen und oft gibt es kleine Geldgeschenke (Chanukka Gelt).
Chanukkiah
Oder Channukaleuchter, achtarmiger Leuchter mit einer „Diener“ Kerze , mit jener zündet man die anderen Kerzen an), wird zu Chanukka benutzt.
D
Diaspora
Dieser Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Zerstreuung“ und drückt in der jüdischen Kultur die Zerstreuung des jüdischen Volkes in der Welt. Diaspora beinhaltet zudem auch die Länder, in denen Juden außerhalb Israels leben.
DP – Displaced Person
Nach Kriegsende hielten sich etwa 250.000 jüdische „Displaced Person“ in Deutschland auf – dabei handelte es sich meistens um Überlebende aus Osteuropa, die von den Alliierten aus den Konzentrationslagern befreit wurden. Für diese Menschen richteten die alliierten Militärbehörden spezielle Auffanglager auf – sogenannte „DP Camps“. Die meisten Bewohner/innen wollten Deutschland, das Land der Täter, so schnell wie möglich verlassen. Das Ziel war oft die USA oder, ab 1948, der neu gegründete Staat Israel. Im Frankfurt-Zeilsheim lebten zwischen 1945 und 1948 ungefähr 3.000 jüdische Displaced Person. Sie wurden in Häusern einer Werksiedlung der Hoechst AG untergebracht. Im DP-Camp befand sich eine Synagoge, eine Talmudschule, Schulen, Kindergarten, Bibliothek, Sportvereine und ein Theater. Die Alltagssprache war Jiddisch.
Literatur / Michel Bergmann: Die Teilacher
H
Halacha
Heißt die Sammlung der jüdischen Religionsgesetze. Sie beinhaltet alle Ver- und Gebote. In der Halacha sind die religiösen Pflichten schriftlich festgehalten sowie alle Aspekte des jüdischen Lebens genau geregelt.
Hebräisch
wird von rechts nach links geschrieben und gelesen. Das Alphabet besteht aus 22 Konsonanten. Vokale werden nicht mitgeschrieben. Die fehlenden Vokalzeichen werden durch ein System von Punkten und Strichen gelöst, die unter die Konsonanten gesetzt werden.
K
Kabbala
Eine mystische jüdische Geistesströmung, die ab dem 12. Jahrhundert in der Provence, in Spanien und später auch in Israel auftritt. Das Übersinnliche , wie etwa Wundererzählungen sowie Ideen über Sinn und Form von Buchstaben und Zahlen, spielen eine große Rolle.
Literatur / Gershom Sholem / z.B. Zur Kabbala und ihrer Symbolik
Kaddisch
Das Totengebet und die Heiligung des göttlichen Namens. Als Zeichen der Trauer reißen die Trauernden während der Andacht sich die Kleider ein – es geht ein Riss durch das Leben. Zum Schluss der Beerdigungszeremonie spricht der Erstgeborene oder ein naher Verwandter das Kaddisch (Heiligung), das Gebet der Trauernden, eine Lobeshymne auf Gott und eines der wichtigsten Gebete im Judentum. Für die Trauernden beginnt danach die Trauerwoche, das Schiwa sitzen. Heutzutage sprechen Männer wie Frauen das Kaddisch.
Kibbuz (Plural: Kibuzzim)
Genossenschaftliche Siedlung. Der Kibbuz ist eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft. Diese entwickelten sich um 1908 im Rahmen der jüdischen Einwanderung nach Palästina. Die Bewohner arbeiten entsprechend ihren Fähigkeiten. Man erhält kein Gehalt und ist Selbstversorger. Die Bildung und Kindererziehung erfolgt kollektiv. Im modernen Israel gibt es nur noch wenige Kibbuzim.
Kiddusch
Der heilige Segen, der am Sabbat und an jüdischen Feiertagen über Wein und Brot gesprochen wird.
Kippa
Kopfbedeckung des Mannes, die beim Gebet, rituellen Handlungen oder in der Synagoge aufgesetzt wird, aber auch im Alltag. Sie ist ein kleines Häkel - oder Stoffkäppchen. Je nach Gemeinde sind die die Formen der Kippa sehr verschieden.
Koscher / Kaschrut
„Koscher“ kommt aus dem Jiddischen und meint "geeignete oder passende" Speisen, die den jüdischen Speisegesetzen entsprechen. Die Gesetze stammen aus der Tora. Das grundlegende Speisegesetz des Judentums untersagt, neben den unreinen Tieren, die Mischung von Fleisch – bzw. Milchprodukten, um das Gebot: „Du sollst nicht kochen das Böcklein in der Milch seiner Mutter“ einzuhalten.(Exodus 23, 19, 34, 26) Nicht koscher sind alle Kriechtiere, alle Fleisch – und Aasfresser sowie alle Tiere, die keine gespaltenen Hufe habe und nicht wiederkäuen (z.B. Schweine). Alle Küchenutensilien sowie der Abwaschbereich sind streng nach „milchig“ und „fleischig“ getrennt.
Siehe: 5. Buch Mose 14,3 – 21Chanukka
L
Landjudentum
Das Landjudentum - ein Begriff, der sich erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts etablierte. Im Mittelalter lebten die Mehrzahl der Juden in den Städten, bis sie zur Zeit der hochmittelalterlichen Pest Pogrome und antijudaistischen Verfolgungen (z.B. ShUm Städte / Mainz, Speyer, Worms) gezwungenermaßen nach Osteuropa fliehen mussten oder in die Dörfer zogen. Die so genannten "Landjuden" lebten meist verstreut und vereinzelt am Rand der Dörfer. Von den Gemeinderechten waren sie weit gehend ausgeschlossen. Zu den christlichen Nachbarn bestanden selten Freundschaften. Heiratsbeziehungen waren unmöglich, Ehen wurden nur unter Juden nach den israelitischen Gesetzen geschlossen. Ihre Wirtschaftslage war meist sehr prekär. Erst im Laufe von Generationen gelang es den vereinzelten jüdischen Familien, sich wieder als Glaubensgemeinden zu etablieren. Der Mittelpunkt des religiösen Lebens war die Dorfsynagoge. Sie war das Zentrum des Gemeindelebens. Mitte / Ende des 19. Jahrhunderts fand eine starke Abwanderung des Landjudentums statt. Vor allem die jüngere Generation zog es in die größeren Städte oder ins Ausland, um dort ein besseres Leben zu führen. Für die endgültige Auslöschung der Landjuden sorgte der Terror der Nationalsozialisten. Sie zerstörten die meisten Dorfsynagogen und Friedhöfe, schikanierten und misshandelten die Juden bis zur Deportation in die Konzentrationslager. Nur wenigen gelang die Flucht ins Ausland. Nach dem 2. Weltkrieg gab es für sie keinen Grund zur Rückkehr: Ihr Besitz war "arisiert"; die Reste der Dorfsynagogen dienten als Scheunen oder Lagerräume, die jüdischen Friedhöfe waren meist verrottet. Das jüdische Leben geriet in Vergessenheit. Erst in der jüngsten Vergangenheit ergriffen engagierte Bürger und Gemeinden Initiativen, um die ins Ausland emigrierten jüdischen Dorfbewohner wenigstens zu einem Besuch ihrer alten Heimat einzuladen. Parallel begann man damit, die baulichen Zeugnisse jüdischen Lebens auf dem Lande zu restaurieren, um damit die Erinnerungen an das Landjudentum in Deutschland wieder wachzurufen.
M
Mazzen / Mazzot
Für das Pessachfest vorgeschriebenes, ungesäuertes Brot, nur „echt“ wenn vom Rabbinat gekennzeichnet.
Menora
Heißt der siebenarmige Leuchter.
Mesusa
Das hebräische Wort für "Türpfosten". Gemeint ist ein kleiner Behälter, der die Tora-Abschnitte auf einer kleinen Pergamentrolle enthält und aus rituellen Zwecken am rechten Türpfosten , nach links geneigt, eines jüdischen Wohneingangs befestigt wird.
Mikwe
Ein Tauchbad, das jede jüdische Gemeinde besitzt. Vor der Eheschließung nimmt die Braut ein rituelles Bad. Nach der Entbindung oder der Menstruation muss die Frau ein Bad in der Mikwe einnehmen. Das Wasser muss fließend „lebendig“ sein. (Grundwasser oder Regenwasser). Dieser Vorgang kann auch in Flüssen oder im Meer praktiziert werden. In früheren Zeiten war das Wasser der Mikwe natürlich kalt, heute sind die Mikwen sehr komfortabel eingerichtet und beheizt.
Mizwa (Plural: Mizwot)
Jüdisch-religiöse Gebote.eginnt danach die Trauerwoche, das Schiwa sitzen. Heutzutage sprechen Männer wie Frauen das Kaddisch.
P
Pessach
Am Pessachfest wird an den jüdischen Exodus erinnert, den Auszug der Israeliten aus Ägypten. Die Feierlichkeiten beginnen am Abend des ersten Frühlingsvollmondes (im jüdischen Kalender der Abend des 14. Nissan) und dauern in Israel sieben, in der Diaspora acht Tage.
Pogrom
Das russische Wort bezeichnet einen antisemitischen Übergriff, eine gewalttätige Ausschreitung gegen die jüdische Bevölkerung.
R
Rabbi/Rabbiner /in
Zu Deutsch: "mein Lehrer" oder „mein Meister“. Ist ein Tora Gelehrter. Der Rabbiner steht an der Spitze einer Gemeinde. Er / Sie hat eine beratende, seelsorgerliche und unterweisende Funktion. Die Rabbiner Tätigkeit lässt sich nicht ohne weiteres mit einem christlichen Geistlichen vergleichen. Seit dem 19. Jhd. gehört eine universitäre Bildung zur Rabbiner Ausbildung hinzu. Er / Sie wird von der jüdischen Gemeinde angestellt und bezahlt.
S
Sabbat / Schabbat
Wöchentlicher Feier- und Ruhetag der Juden, der von Freitagabend - bis Samstagabend dauert. Die neue Woche beginnt am Sonntag. Gott hat an sechs Tagen die Welt erschaffen, so lautet es im ersten Buch Moses (Genesis). Nachdem sein Werk vollendet war, hat Gott sich am siebten Tag ausgeruht. Viele Tätigkeiten, wie kochen, putzen, arbeiten etc. sind an diesem Tag verboten.
Seder-Teller
Kultteller für das Pessachfest. Pessach-wird im Frühjahr gefeiert und gedenkt der Befreiung der Israelit*innen aus der ägyptischen Sklaverei. Am Sederabend hat jede symbolische Speise einen festen Platz auf einem Seder-Teller (z.B. Bitterkräuter wie Petersilie, symbolisieren die bitteren Zeiten) und ist Anlass für lebhaftes Vorlesen aus der Pessach Haggada.
Sepharad / Sephardim
Bezeichnung für die aus Spanien und Portugal stammenden Juden und ihre Nachkommen. Die Sephardim haben wie die Aschkenasim einen eigenen Ritus und bilden selbstständige Gemeinden.
Shoah
Die hebräische Bezeichnung für den Holocaust, den millionenfachen Mord an den Juden im Nationalsozialismus.
Sukkot
Sukkot ist das jüdische Laubhüttenfest, mit dem die Juden der 40-jährigen Wanderung durch die Wüste gedenken, die sich dem Auszug der Israeliten aus Ägypten anschloss. Sukkot findet fünf Tage nach dem Versöhnungstag Jom Kippur im jüdischen Monat Tischri (September/Oktober) statt.
Synagoge
Das Wort kommt aus dem Griechischen und heißt eigentlich Treffpunkt. Die Synagoge ist nicht mit einer Kirche vergleichbar. Sie ist ein Haus des Lernens und der Versammlung für die Gemeinde. Jiddisch: Shul. Bestimmte Bauvorschriften für eine Synagoge gibt es nicht, sie bestehen meistens aus drei Teilen: einem Hauptraum mit Betbänken, einem Kanzelraum für die Tora Lesungen und einem „heiligen“ Raum , wo die Tora Rollen und Kultgegenstände aufbewahrt werden.
T
Tallit
Bezeichnung für den jüdischen Gebetsmantel. Das Gewand hat eine rechteckige Form, an dessen Enden Fäden geknüpft sind (Zizit). Diese Fäden sollen den Gläubigen stets an Gott und die Pflichten ihm gegenüber erinnern.
Talmud
Die Auslegung, Kommentierung und Ergänzung der Tora durch rabbinische Gelehrte.
Tefillin
Gebetsriemen aus Leder. Männliche Juden legen sie zum alltäglichen Gebet an, führen sie siebenmal um den Arm und wickeln sie dann dreimal um die Hand und den Mittelfinger. Zu den Tefillin gehören auch Gebetskapseln, die in der Nähe des Herzens und auf der Stirn getragen werden. In den Kapseln befinden sich Texte aus der Tora.
Tora
Die Heilige jüdische Schrift mit den fünf Büchern Mose (Pentateuch) (im Christentum: Teil des Alten Testaments). Sie wurde etwa vor 950 Jahren unserer Zeitrechnung aufgeschrieben. Tora ist ein hebräisches Wort und bedeutet Lehre oder Unterweisung. Das Schriftstück ist von Hand geschrieben auf Pergament und um zwei Stäbe gewickelt. Der Schreiber / Schriftgelehrte heißt Sofer.
Torazeiger / Torafinger
Jad genannt, ist ein Zeigestab zum Deuten der Textzeilen in der Tora Lesung. Er besteht aus einem silbernen Stab, an dessen vorderem Ende sich eine kleine Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger befindet. Die heilige Schrift ist so kostbar, selbst der Rabbiner / in darf sie nicht berühren. Die Tora Rollen dürfen nicht beschmutzt, beschädigt oder beschmutzt werden, falls doch, erhalten sie eine Bestattung auf einem jüdischen Friedhof.
Text: Barbara M. Rubert M.A. Wird fortlaufend ergänzt

