Worum es geht
In Flieden steht eine kleine Evangelische Kirche. Ein unauffälliges Gotteshaus, weil die großen Kirchen in dieser Gegend katholisch sind. Aber: Diese Kirche war mal eine Synagoge; bis zum 9. November 1938. Das ist die bleibende Herausforderung für alle, die dort Gottesdienst feiern. Wie soll man in einem ehemaligen jüdischen Gotteshaus, das so viel Schlimmes erlebt hat, fröhliche christliche Gottesdienste feiern?
Im Jahr 2019 wurde das Gotteshaus renoviert und neu gestaltet. Um hier aufrichtig Gottesdienst zu feiern, muss die vollständige Geschichte des Hauses bewusst bleiben. Aber nicht so, dass das Alte rekonstruiert würde. Es sind ohnehin kaum noch bauliche Spuren aus der Zeit als Synagoge zu finden. Die Idee ist eine andere: Ein jüdischer Künstler gestaltet die neuen Fenster der christlichen Kirche - und lässt dabei die jüdische und christliche Geschichte des Hauses zusammen wirken. Aber nicht in bedrückendem Grau, sondern in fröhlichen, schillernden Farben, durch die das Licht scheint. Das Licht der Verheißung des Friedens.
Im Jahr 2019 wurde die Ausstellung „Bruchlinien“ eingerichtet - konzipiert für ein Terminal in der Ev. Kirche / ehem. Synagoge. Sie informiert über die Entstehung des Kunstwerks, über das judische Leben in einem osthessischen Dorf, über die Unterdrückung der jüdischen Gemeinde Flieden und über Antisemitismus allgemein.

Worum es geht
Grundlegende Gedanken zur Renovierung von 2019
Eine evangelische Kirche, die mal eine Synagoge war. In einem ehemaligen jüdischen Gotteshaus, das so viel schlimmes erlebt hat, wollen wir fröhliche christliche Gottesdienste feiern. Wie geht das zusammen?
Um hier aufrichtig Gottesdienst zu feiern, muss die vollständige Geschichte des Hauses bewusst bleiben. Aber nicht so, dass wir schlicht das Alte rekonstruieren. Es sind ohnehin kaum noch bauliche Spuren aus der Zeit als Synagoge zu finden. Die Idee ist eine andere: Ein jüdischer Künstler gestaltet die neuen Fenster der christlichen Kirche.
Wir wollen mit der Neugestaltung versuchen, jüdische und christliche Geschichte des Hauses zusammen wirken zu lassen. Aber nicht in bedrückendem Grau, sondern in fröhlichen, schillernden Farben, durch die das Licht scheint. Das Licht der Verheißung des Friedens.
Worum es nicht geht
Wir bauen nicht die Synagoge wieder auf – aber wir wollen auch nicht so tun, als sei es nie eine Synagoge gewesen.
Wir klagen niemanden wegen des Holocaust an – aber wir wollen auch nicht so tun, als hätte keiner was gemacht.
Wir erinnern an jüdisches Leben in Flieden nicht mit erhobenem Zeigefinger – aber wir können auch nicht so tun, als gäbe es heute keinen Antisemitismus mehr.
Und immer wieder hört man das Klischee, dass an jüdisches Leben erinnert wird, damit „Die“ (das meint vermutlich eine nicht näher bestimmte jüdische Gemeinschaft) „Uns“ (das meint vermutlich den Steuerzahler) das Geld „aus der Tasche ziehen können“. Es ist vielmehr umgekehrt: „Die“ (eine Gruppe jüdischer Freunde unseres Projektes aus den USA) haben „Uns“ (Kirchen-gemeinde Flieden-Neuhof) die Hälfte der Gestaltung finanziert.



